Die Erde. Ein traumhafter, idyllischer Anblick aus 400 Kilometern Entfernung. Doch irgendwas stimmt heute nicht. Irgendwas ist heute anders…

Ihr seid Teil der Mission Lockholm, deren Ziel es ist, Experimente zum Bewegungsverhalten verschiedener Stoffe durchzuführen. Auf der Spectro-Raumstation seid ihr für ein halbes Jahr stationiert.

In den letzten zehn Jahren wurde die Station nur von russischen Kosmonauten bevölkert. Ihr seid das erste Team seit einer langen Zeit, das ohne Russischkenntnisse angedockt ist. Eure anfängliche Hoffnung, dass die russischen Kollegen euch helfen würden, wurde schnell zerstört. Obwohl die offizielle Sprache im Weltall Englisch ist, will sich niemand so recht dran halten. Die Kommunikation mit den russischen Kosmonauten ist so gut wie nicht vorhanden. Der einzige Kosmonaut an Bord, der mit euch redet, ist Igor Komarov. Der Kommandant der russischen Besatzung ist ein alter Haudegen und wird von allen an Bord geachtet. So sehr, dass es auch ihm schwer fällt, mit seinen Kollegen Unterhaltungen zu führen. Er ist ein Einzelgänger, der die Stille bevorzugt, doch wenn Hilfe benötigt wird, ist er sofort da.

Als ihr heute beim Frühstück neben Komarov sitzt, kommt er euch etwas komisch vor. Er wirkt nervös und benimmt sich anders als sonst. Als ihr ihn fragt, ob alles in Ordnung ist, kommt nur eine kurze Ansage: „Jemand an Bord ist böse. Jemand will die Station zerstören. Bleibt in der Nähe der Fluchtkapsel.“

Seine Anmerkung lässt euch etwas nervös werden, doch ihr wisst, dass ihr diese Information für euch behalten müsst. Eine Evakuierung der Station würde eure Karriere zerstören, solltet ihr sie unverständlicherweise einleiten. Ihr nickt Komarov zu und begebt euch zu eurem heutigen Arbeitsplatz, dem Lagerraum, der direkt an den Wohnbereich angeschlossen ist. Dort müsst ihr euch heute um die Fracht kümmern – eure Hoffnungen, im Weltall nur Spaß zu haben und den Ausblick zu genießen, wurden schon am ersten Tag eurer Reise begraben.

Wenige Minuten, nachdem ihr eure Arbeit begonnen habt, hört ihr eine laute Explosion. Sie kommt vom Korridor zwischen dem Wohnbereich und den Lagerräumen. Auch wenn die Maschinen oft laute Geräusche machen, doch dieses Geräusch war weit lauter: Etwas Schlimmes muss passiert sein. Komarov hatte wohl Recht. Der Anblick durch das Guckloch lässt euch das Blut in den Adern stocken: einer der Kosmonauten treibt mit zerrissenem Raumanzug durch den Korridor. Er ist tot. Ein Feuer ist ausgebrochen, es wird schnell den ganzen Korridor zerstört haben.

Die Alarme beginnen zu läuten. Ihr merkt, dass das Notfall-Sauerstoff-System eingeschaltet wurde. Das heißt: in einer Stunde muss eine Lösung da sein, sonst wird euch der Sauerstoffmangel in die Knie zwingen.

Die Anweisungen in eurer Ausbildung waren klar: im Falle eines Notfalls, müsst ihr euch an das Notfallsprotokoll halten, wie es der Computer vorgibt.